Dystonie Klassifizierung und Spezifizierung

Hier erfährst Du etwas über die medizinischen Einteilungen dystoner Bewegungsstörungen

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Medizinische Klassifizierung

#Klassifizierung (med.) Im Gesundheitswesen werden Erkrankungen (inter)national Gruppen zugeordnet bzw. klassifiziert. Dies dient zuvorderst ihrer einheitlichen Erfassung, der Datenanlayse und Statistik, Erstellung von Qualitätsberichten, Formulierung von Leitlinien, zwecks systemtischer Behandlung, einheitlichen Vergütung und nachvollziehbaren Erforschung.

#Syndrom (med.) typische Symptomkombination, ohne dass die genaue Ursache bekannt sein muss.

Neurologische Bewegungsstörungen sind vielfältig. Bei ihnen handelt es sich um degenerative, strukturelle oder funktionelle Fehlfunktionen des Nervensystems, in deren Folge die Steuerung von Bewegungen  altersungemäß normabweichend ist. 


Dystone Bewegungsstörungen zählen zu den neurologischen Bewegungsstörungen. Genauso vielfältig, vielförmig und vielgestaltig wie neurologische Bewegungsstörungen im Allgemeinen, genauso sind dystone Bewegungsstörungen im Besonderen.


Die Vielfalt, Vielförmig- und Vielgestaltigkeit dystoner Bewegungsstörungen ergeben sich im Wesentlichen daraus, dass sie als eigenständige Erkrankung, als Symptom einer anderen Erkrankung oder als Syndrom auftreten können.


Auch um dystone Bewegungsstörungen systematisch  sowie   effektiv und effizient behandeln zu können, bedarf es ihrer medizinischen Klassifizierung.


Seit 2013 werden dystone Bewegungsstörungen nationale wie international in drei Klassen eingeteilt:


1. Isolierte Dystonien Erkrankung

Auftreten ausschließlich dystoner Bewegungsstörungen


2. Kombinierte Dystonien Symptom

Auftreten dystoner Bewegungsstörungen plus wenigstens eine weitere Bewegungsstörung, etwa Ataxie, Cholera, Athetose etc.


3. Komplexe Dystonien Syndrom

Auftreten dystoner Bewegungsstörungen plus wenigstens ein weiteres neurologischen Symptom


Wichtig zu wissen ist schließlich, dass diese dreigeteilte Klassifizierung unlängst jene abgelöst hat, die zwischen primären Dystonien (Dystonien als Erkrankungen) und sekundäre Dystonien (Dystonien als Folge von etwas Anderem) abgelöst hat.

Altersbezogene Spezifizierung

Abbildung: Deuschl/Oertel/Poewe (Hrsg.): Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen. Thieme 2020, S. 681.

Dystone Bewegungsstörungen können in jedem Alter auftreten. Folgende Grundsätze haben sich mit Bezug zu deren Entwicklung, vor allem wenn degenerativen Ursprungs, nach dem Auftreten erster Symptome herauskristallisiert:


  • Bei Erwachsenen beginnt eine dystone Bewegungsstörung grundsätzlich zumeist am Hals, im Gesicht oder, wenngleich nicht ganz so häufig, an einer Hand oder einem Fuß. Von dort breiten sich die dystonen Symptome auf benachbarte Körperteile aus. Eher selten entwickeln sich eine Generalisierte Dystonien.


  • Bei Kindern und Jugendlichen beginnt eine dystone Bewegungsstörung  grundsätzlich an einem Fuß, mitunter auch einer Hand. Von dort breitet sie sich dann zumeist über den gesamten Körper aus. Eine Betroffenheit des Kopfes kann, muss sich jedoch nicht ergeben.


Das Auftreten dystoner Bewegungsstörungen infolge eines strukturellen Schadens hängt davon ab, wann ein relevanter Defekt im zentralen Nervensystem entstanden ist. Bei funktionellen Dystonien gilt entsprechendes für das auslösende Moment.

Weitere Möglichkeiten der Spezifizierung auch

einer dystonen Bewegungsstörung


Manifestation (Erstauftreten)

  • infantil (<12 Jahre)
  • juvenil (13-20 Jahre)
  • adult (>20 Jahre)


oder in verfeinerter Form (vgl. Albanese et al; 2013)

  • Säuglingsalter (Geburt bis 2 Jahre) 
  • Kindheit (3-12 Jahre) 
  • Jugendalter (13-20 Jahre) sowie im 
  • frühren Erwachsenenalter (21-40 Jahre)
  • späten Erwachsenenalter (älter als 40 Jahre)


Topologie (Verteilungsmuster)

  • generalisiert
  • segmental
  • hemi (halbseitig)
  • axial (oben oder unten)
  • multifokal
  • fokal


Darüber hinaus verwenden medizinisches Fachpersonal im Zusammenhang mit

dystonen Bewegungsstörungen mitunter auch folgende

Be- bzw. Zuschreibungen:


  • Verlaufsrhythmus
  • persistierend (dauerhaft)
  • intermittierend (phasenweise)


  • Verlaufsform
  • paroxymal (anfallsartig)
  • progredient (fortschreitend)
  • regredient (rückschreitend)


  • (Über)Bewegungsform
  • zitternd (Tremor)
  • zuckend (Myoclonus)
  • kämpfend (Crampi)
  • drehend/schraubend
  • wurmartig (athetotisch)


  • Muskelfehlspannung
  • phasisch
  • tonisch
  • fixiert

Datenschutz und Kommunikation

In Deutschland wird medizinischer Datenschutz groß geschrieben. Dennoch müssen sich Kostenträger und medizinisches Fachpersonal über eine erkrankte Person fundiert austauschen können; national wie international. Ersteres z.B. mit Blick auf Überweisungen und Berichte. Zweiteres etwa, wenn jemand im Urlaub akut erkrankt oder mit Blick auf seine bzw. ihre chronische dystone Bewegungsstörung einer Behandlung bedarf.


Grundlage des "erkrankungsbedingten Austausches" ist, weltweit, der sogenannte "ICD-Code" (engl. International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems). In Deutschland kommt aktuell der "ICD-10-GM" zur Anwendung. "10" steht für die "zehnte Version", "GM" für "German".


Gesichert diagnostizierte sogenannte hyperkinetische Bewegungsstörungen sind in den Kapiteln G20-26 gelistet. Dystonie Bewegungsstörungen werden im Unterkapitel "G24.-Dystonie" geführt. "G" steht für "gesicherte Diagnose", stünde vor den Ziffern ein "V", würde damit zum Ausdruck gebracht, dass es sich um eine "Verdachtsdiagnose" handelte.